
Warum Hyphen?
Führung ist im Grunde sowohl Verb als auch Substantiv. Als Verb bezeichnet sie die Energie oder das Verhalten selbst, das den gewünschten Führungseffekt erzeugt, wie etwa andere zu ermutigen, zu motivieren, zu inspirieren oder zu befähigen. Als Substantiv ist sie ein symbiotisches, komplexes Netzwerk von Beziehungen.
Führung ist ein schwer fassbarer Begriff, der sich weder durch seine Form noch durch seine Funktion vollständig definieren lässt. Um meine Ideen zum Leben zu erwecken, brauchte ich eine unantastbare, metaphorische Führungspersönlichkeit. Etwas Superlatives, etwas Unübertroffenes in seiner Fähigkeit, symbiotische Beziehungen zu knüpfen, etwas, das für uns weitgehend unsichtbar, aber grundlegend für jeden Aspekt unseres Lebens ist – von der Luft, die wir atmen, über die Nahrung, die wir essen, bis hin zur Umwelt, in der wir leben.
Hyphen (ausgesprochen: Hy-fee) sind die verzweigten, rankenartigen Fäden, aus denen das Myzel von Pilzen besteht. Sie sind zweifellos die erfolgreichsten Organismen auf unserem Planeten. Seit über einer Milliarde Jahren existieren sie auf unserem Planeten und haben Pflanzen und Tieren das Wachstum, die Anpassung und das Gedeihen ermöglicht.
Während Sie in diesem Programm Ihre Führungsqualitäten entwickeln, werde ich verschiedene Analogien zu diesen faszinierenden Organismen verwenden. Abschließend möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die meiner Meinung nach zwei wichtigsten Verhaltensmerkmale von Hyphen lenken, die auch für unser ideales Führungsverhalten relevant sind.
Erstens: Ihre Daseinsberechtigung liegt in der Bildung symbiotischer Beziehungen. Tatsächlich prägte der deutsche Botaniker Albert Frank 1877 den Begriff „symbiotisch“ zur Beschreibung von Pilzen (Flechten). Wenn es ein Wort gibt, das die Wirkung von Führungsverhalten auf die Empfänger treffend beschreibt, dann ist es wohl „symbiotisch“. Teambildung, Produktivitätssteigerung durch den Austausch vielfältiger Kompetenzen und die Fähigkeit, mehr zu leisten als die Summe der Einzelteile, sind für das Überleben und Wachstum jeder Organisation weltweit unerlässlich.
Das zweite, und keineswegs weniger wichtige, Schlüsselverhalten von Hyphen ist ihre Fähigkeit, organische Netzwerke zu bilden, die die durch ihre symbiotischen Beziehungen entstehenden Möglichkeiten erkunden und nutzen können. Dieser systemische Effekt wirkt als echter Kraftverstärker. Die wichtigste Erkenntnis und vielleicht der für uns Menschen am schwierigsten nachzuahmende Aspekt ihres Verhaltens ist, dass sich die Hyphen ohne zentrale Koordination Handlungsfreiheit verschaffen, um verschiedene Umgebungen zu erkunden und gleichzeitig mit ihnen zu interagieren. Die Hyphen können in einem dualen Zustand agieren: als Individuum und als vollständiger Organismus. Die parallele Verarbeitung aller eingehenden Daten über ihre Umgebung und die Fähigkeit, ohne Rücksprache mit einer zentralen Steuerung „Entscheidungen“ zu treffen, ist ihr ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal.



